Was braucht es, um Wiederverwendung bundesweit voranzubringen?
Die Politiker (Bund, Land, Region, Kommune) müssen sich endlich an ihre eigenen Beschlüsse halten und entsprechend reagieren, z. B. flächendeckende Unterstützung von Secondhand-Kaufhäusern und Reparaturnetzwerken, wie wortwörtlich im Abfallvermeidungsprogramm des Bundes und der Länder schon vor Jahren vereinbart und beschlossen. Wo bleibt sie? Und wenn schon, denn schon, ein schnuckeliges Zero-Waste-Konzept für die eigene Kommune gleich hinterher, bitte! Die Ressourcenwirtschaft ist verantwortlich für 50 % des CO₂-Ausstoßes und 90 % des Artensterbens, hier ist dringendster Handlungsbedarf! Alle wissen das, alle reden, aber wir handeln!
Der Recyclinghof Herford wird im März als „Grüner Wertstoffhof“ ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen diese Anerkennung und warum sind solche Orte zentrale Bausteine einer funktionierenden Circular Economy?
Anerkennung ist immer gut und tut auch gut. Secondhand-Kaufhäuser, am besten in enger Kooperation mit möglichst nahegelegenen Wertstoffhöfen, sind der Brennpunkt der Wiederverwendung und ihrer Vorbereitung vor Ort – also für Menschen direkt erlebbar und spürbar. Alles, was in die wie auch immer geartete Tonne oder den Container kommt, sehen Bürger:innen nie wieder: kleingemahlen, verbrannt oder ins Ausland geschickt. Das ist der lineare Abfallweg. Das ist lineare Vernichtung und Verdichtung, also maximales Downcycling. Nur bei uns sieht man Sachen, die Leute loswerden wollten und doch noch als solche brauchbar sind. Das ist der Kreislauf, den ja alle so dringend wollen! Hier kann man ihn anfassen und mitnehmen. Durch diese „Haptik“ haben wir auch einen Ansatzpunkt als „Unique Selling Point“. Genau hier kann man mit den Bürger:innen, Kund:innen und Politiker:innen reden und zum Mitmachen animieren (was man zum Beispiel wieder von den Abgebenden hört: „Zu schade zum Wegwerfen!“). So werden nicht nur die reichlich vorhandenen Argumente, sondern auch – ganz wichtig – das positive Gefühl dazu vermittelt, Wiederverwendung sei supercool.
Viele lokale Akteur:innen möchten eigene Re-Use-Angebote aufbauen, wissen aber nicht, wie sie die öffentliche Abfallwirtschaft, soziale Organisationen und Zivilgesellschaft zusammenbringen. Haben Sie einen Tipp?
Am besten mit Spaß! Natürlich haben wir dazu nicht nur Tipps und jahrzehntelange Erfahrung, sondern auch konkrete Beratung. Das Projekt „Nachhaltig Wirken“ des damaligen Habeck-Ministeriums ermöglicht uns, beziehungsweise dem Re-Use Deutschland e. V., eine bundesweite, kostenlose und professionelle Beratung zu genau diesen Themen. Secondhand-Kaufhäusern und Re-Use-Willigen können wir helfen: von der Ladengestaltung über Kommunikation bis zur Finanzierung von Wiederverwendung und ihrer Vorbereitung. Wir freuen uns schon auf die zahlreichen Anfragen, die dieser Artikel möglicherweise auslöst! Gute Beispiele gibt es im Netz zuhauf, wie bei der Recyclingbörse. Aber Achtung, nach dem 1 % Inspiration kommen die geilen 99 % Transpiration und damit wünsche ich frohes Wiederschaffen.