#03/26

Be Water, My Friend

Das geht doch NochMall

Hallo,

 der Frühling steht in den Startlöchern und mit Tulpe, Krokus und Primel wächst auch die Lust aufs Selbermachen, Reparieren und Neuentdecken! Diesen Monat haben wir wieder einen bunten Strauß an Inspiration für dich:
Wir zeigen, wie du in der NochMall kreativ wirst, wie du mit Refill in ganz Berlin deinen Durst löschen kannst und was es braucht, um ein ganzes Land von Re-Use zu überzeugen. Außerdem gibt’s einen genialen Tipp für deine Zero-Waste-Küche.Viel Spaß beim Lesen, Staunen und Nachkochen!

Das geht doch NochMall

Hast du Kleidung, die du nicht mehr trägst? Oder diese eine Schublade voller ungenutzter Tüten? Kaputte Uhren? Super! Denn das Veranstaltungsprogramm der NochMall – das Gebrauchtwarenkaufhaus der BSR – bietet ganzjährig Kurse an, mit denen du all das in neue „Schmuckstücke“ verwandelst. Lerne, wie man aus Plastiktüten stilvolle Deko bastelt, Kleidungsstücke individuell upcycelt, alten Uhren eine neue Zukunft schenkt oder einfach den kaputten Toaster repariert. Hier findest du Inspiration, lernst neue Techniken und triffst Gleichgesinnte, die genauso für Wiederverwendung brennen wie du.

Wann: Im März und darüber hinaus
Wo: NochMall, Auguste-Viktoria-Allee 99, 13403 Berlin-Reinickendorf

Termine und Anmeldung, wo nötig

Foto: BSR

Berlin zum Nachfüllen

Stell dir vor, du bist unterwegs, hast plötzlich unheimlichen Durst, aber gar keine Lust auf die nächste Flasche aus dem Späti. Dann gibt’s eine denkbar einfache und praktische Lösung: Dank der Initiative Refill Berlin von a tip:tap, den Berliner Wasserbetrieben und Original Unverpackt gibt es mittlerweile über 600 Stationen, an denen du deine mitgebrachten Trinkgefäße kostenlos mit frischem Berliner Leitungswasser auffüllen kannst.

Kleine, runde Aufkleber an den Türen von Cafés, Apotheken, Bäckereien und vielen weiteren Läden zeigen dir, wo du willkommen bist. Ein einfaches Prinzip mit großer Wirkung: Jede Füllung ist ein kleiner, aber wichtiger Sieg gegen den Berg an Einweg-Plastikabfall und ein starkes Zeichen für die Ressourcenschonung. Also, Flasche schnappen und mitmachen!

Wo genau die nächste Station in deiner Nähe ist, erfährst du hier: 
Karte von Refill Deutschland
Foto: a tip: tap e.V.

3 Fragen an Claudio Vendramin 

Wenn es um die Wiederverwendung in Deutschland geht, ist sein Name einer der ersten, der fällt: Claudio Vendramin ist eine treibende Kraft (in) der deutschen Re-Use-Bewegung. Als Vorstand von Re-Use Deutschland e. V. und geschäftsführender Vorstand des Arbeitskreis Recycling e. V. in Herford setzt er sich unermüdlich dafür ein, der Wiederverwendung den Stellenwert zu geben, den sie verdient. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was es braucht, um Re-Use in ganz Deutschland zu stärken, warum vorbildliche Orte für den Ressourcenschutz wie die von der DUH ausgezeichneten, zukunftsweisenden Recyclinghöfe Herford und der BSR-Recyclinghof Plus Gradestraße so wichtig für die Kreislaufwirtschaft sind. Wir haben ihn gefragt, wie lokale Akteur:innen erfolgreich zusammenfinden können.

Name: Claudio Vendramin
Wohnort: Herford / Ostwestfalen
Alter: Mit 66 Jahren...
Beruf: Teilzeitrentner wegen Arbeitskraftrecycling
Mein liebster Upcycling-Hack: Glasverpackung spülen, Vorräte rein, Deckel drauf und fertig
Mein größter, unverzichtbarer Luxus: Atmen, einfach nur Atmen (Ich bin Bläser...)
Mein Lieblingsort in Berlin: Alexanderplatz U-Bahnstation, vielleicht finde ich meinen vorgestern verlorenen Laptop wieder…
Inspiration finde ich: s. o., beim Blasen von Blechblasinstrumenten, Brass United!

Was braucht es, um Wiederverwendung bundesweit voranzubringen?

Die Politiker (Bund, Land, Region, Kommune) müssen sich endlich an ihre eigenen Beschlüsse halten und entsprechend reagieren, z. B. flächendeckende Unterstützung von Secondhand-Kaufhäusern und Reparaturnetzwerken, wie wortwörtlich im Abfallvermeidungsprogramm des Bundes und der Länder schon vor Jahren vereinbart und beschlossen. Wo bleibt sie? Und wenn schon, denn schon, ein schnuckeliges Zero-Waste-Konzept für die eigene Kommune gleich hinterher, bitte! Die Ressourcenwirtschaft ist verantwortlich für 50 % des CO₂-Ausstoßes und 90 % des Artensterbens, hier ist dringendster Handlungsbedarf! Alle wissen das, alle reden, aber wir handeln!

Der Recyclinghof Herford wird im März als „Grüner Wertstoffhof“ ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen diese Anerkennung und warum sind solche Orte zentrale Bausteine einer funktionierenden Circular Economy?

Anerkennung ist immer gut und tut auch gut. Secondhand-Kaufhäuser, am besten in enger Kooperation mit möglichst nahegelegenen Wertstoffhöfen, sind der Brennpunkt der Wiederverwendung und ihrer Vorbereitung vor Ort – also für Menschen direkt erlebbar und spürbar. Alles, was in die wie auch immer geartete Tonne oder den Container kommt, sehen Bürger:innen nie wieder: kleingemahlen, verbrannt oder ins Ausland geschickt. Das ist der lineare Abfallweg. Das ist lineare Vernichtung und Verdichtung, also maximales Downcycling. Nur bei uns sieht man Sachen, die Leute loswerden wollten und doch noch als solche brauchbar sind. Das ist der Kreislauf, den ja alle so dringend wollen! Hier kann man ihn anfassen und mitnehmen. Durch diese „Haptik“ haben wir auch einen Ansatzpunkt als „Unique Selling Point“. Genau hier kann man mit den Bürger:innen, Kund:innen und Politiker:innen reden und zum Mitmachen animieren (was man zum Beispiel wieder von den Abgebenden hört: „Zu schade zum Wegwerfen!“). So werden nicht nur die reichlich vorhandenen Argumente, sondern auch – ganz wichtig – das positive Gefühl dazu vermittelt, Wiederverwendung sei supercool.

Viele lokale Akteur:innen möchten eigene Re-Use-Angebote aufbauen, wissen aber nicht, wie sie die öffentliche Abfallwirtschaft, soziale Organisationen und Zivilgesellschaft zusammenbringen. Haben Sie einen Tipp?

Am besten mit Spaß! Natürlich haben wir dazu nicht nur Tipps und jahrzehntelange Erfahrung, sondern auch konkrete Beratung. Das Projekt „Nachhaltig Wirken“ des damaligen Habeck-Ministeriums ermöglicht uns, beziehungsweise dem Re-Use Deutschland e. V., eine bundesweite, kostenlose und professionelle Beratung zu genau diesen Themen. Secondhand-Kaufhäusern und Re-Use-Willigen können wir helfen: von der Ladengestaltung über Kommunikation bis zur Finanzierung von Wiederverwendung und ihrer Vorbereitung. Wir freuen uns schon auf die zahlreichen Anfragen, die dieser Artikel möglicherweise auslöst! Gute Beispiele gibt es im Netz zuhauf, wie bei der Recyclingbörse. Aber Achtung, nach dem 1 % Inspiration kommen die geilen 99 % Transpiration und damit wünsche ich frohes Wiederschaffen.

Mehr zu Re-Use Deutschland
Foto: C. Vendramin

Abfallfreitags-Tipp:
Topf statt Tonne

Wohin mit den Schalen von Karotten, Zwiebeln und den Enden vom Lauch?
Ab in den Topf! Aus diesen vermeintlichen Küchenabfällen zauberst du im Handumdrehen eine aromatische und vor allem kostenlose Gemüsebrühe.
So geht’s:

  1. Sammeln: Gemüsereste (Schalen von Zwiebeln und Karotten, Sellerieabschnitte, Lauchgrün etc.) in einem Behälter im Gefrierfach sammeln, bis eine gute Menge zusammengekommen ist.
  2. Kochen: Die gefrorenen Reste in einen Topf geben, mit Wasser bedecken, eine Prise Salz hinzufügen und alles aufkochen lassen.
  3. Köcheln: Die Hitze reduzieren und die Brühe für mindestens 30-45 Minuten leise köcheln lassen, damit sich die Aromen entfalten können.
  4. Abseihen: Die fertige Brühe durch ein feines Sieb in einen anderen Topf oder eine Schüssel gießen!

Deine Selfmade-Brühe kannst du heiß in saubere Schraubgläser füllen oder in Eiswürfelformen einfrieren, um sie perfekt portionieren zu können. So hast du immer eine leckere Basis für Suppen und Saucen!

Foto: KI-generiert

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