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3 FRAGEN AN CHRISTOPH INGELMANN

  
Christoph Ingelmann, Geschäftsführer der NochMall
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Seit fast einem Jahr ist Christoph Ingelmann Geschäftsführer der NochMall, dem Gebrauchtwarenkaufhaus der BSR in Reinickendorf. Zuvor hat der studierte Wirtschaftspsychologe lange für einen großen deutschen Discounter gearbeitet. Was kann jemand aus der Welt des Einzelhandels in einer Welt bewirken, in der es um Kreislaufwirtschaft und Abfallvermeidung geht?

Name: Christoph Ingelmann
Alter: 37
Wohnort: Berlin
Beruf: Geschäftsführer NochMall
Meine Superkraft: Komplexitätsreduktion
Das sollten mehr Menschen öfter laut sagen: Danke
Das würde ich meinem jüngeren Ich raten, wenn ich könnte: Hab Geduld.
Mein Geheimtipp für Berlinbesucher:innen: Karaoke, sonntags gegen drei im Amphitheater im Mauerpark
Etwas, das ich immer dabeihabe: Ehering

Secondhand boomt. Wieso kaufen gerade jetzt so viele Menschen gebrauchte Kleider, Bücher und Spielsachen?

Die Gründe sind vielfältig: Bewusster Konsum hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Früher war es einem peinlich, wenn man etwas nur gebraucht kaufen konnte. Heute zeigt es eine Haltung. Gleichzeitig achten viele Menschen angesichts gestiegener Preise, hoher Mieten und unsicherer Zeiten stärker aufs Budget. Dazu kommt: Durch Fast Fashion haben wir alle gelernt, dass neu nicht automatisch besser ist – und dass ein gut erhaltenes Stück oft wertiger ist als billige Neuware. Und nicht zuletzt ist Secondhand auch ein Gegentrend: Je mehr Künstliche Intelligenz unseren Alltag durchdringt, desto mehr suchen manche Menschen nach Charakter, Authentizität und Dingen mit sichtbaren Spuren.

Wie nachhaltig ist Secondhand, wenn es so günstig ist, dass alle mehr kaufen, als sie brauchen?

Es gibt Onlineportale, die diese „Amazonisierung“ des Secondhand-Markts vorantreiben. Das hat weitreichende Konsequenzen. Wenn Secondhand-Shopping so günstig ist, dass es zu mehr Käufen, mehr Versand und mehr Rücksendungen führt, ist die Grenze zwischen Kreislauf und Überkonsum überschritten. Mit der NochMall gehen wir konsequent einen anderen Weg: Wir verknüpfen Secondhand und Regionalität und verkaufen Gebrauchtes aus Berlin und Brandenburg an Menschen in Berlin und Brandenburg. Weniger kaufen, besser wählen, länger nutzen – darin liegt der Sinn von Secondhand.

Im Sommer wird die NochMall sechs Jahre alt. Was wünschen Sie sich bis zum siebten Geburtstag?

Dass wir als Gebrauchtwarenkaufhaus noch bekannter werden und in der Region noch stärker als das gesehen werden, was wir außerdem sind: ein Ort, an dem Kreislaufwirtschaft und Abfallvermeidung für alle erlebbar werden – durch Repair-Cafés, Upcycling-Workshops oder Veranstaltungen mit Vorreiterinnen und Vorreitern aus der Nachhaltigkeitsszene. Deswegen wünsche ich mir, dass es bis zum siebten Geburtstag in gut einem Jahr konkrete Pläne zur Eröffnung einer zweiten NochMall in Berlin gibt – in Friedrichshain-Kreuzberg oder Tempelhof-Schöneberg.

Alles außer neu