August Newsletter

3 FRAGEN AN WIEBKE AHUES

  
Portrait von Wiebke Ahues, Partnerin LXSY Architektur
Copyright: Hanna Wiedemann

Berlin ist eine Baustelle – doch was, wenn wir bei jedem entstehenden Gebäude nicht immer bei null anfangen müssten? Wiebke Ahues und ihr Team vom Architekturbüro LXSY setzen konsequent auf Re-Use-Materialien und schaffen so zukunftsfähige, ökologische Lebensräume. Für das Redesign des Impact Hub Berlin erhielten sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den German Design Award; in 2026 kam ein Green Buddy Award als Zweitplatzierte in der Kategorie „Abfallvermeidung/Reduce Reuse Recycle“ dazu. 

Name: Wiebke Ahues 
Alter: 50
Wohnort: Berlin 
Beruf: Architektin BDA, Partnerin LXSY Architektur, Vizepräsidentin der Architektenkammer Berlin, Vizepräsidentin der Bundesarchitektenkammer 

Der beste Rat, der mir je gegeben wurde: Vertrau darauf, dass mutige Entscheidungen sich erst im Nachhinein als richtig erweisen – warte nicht auf Sicherheit, bevor du handelst. 
Was mich inspiriert: Mit Zuversicht und mutigen Partnern neue Wege zu gehen, die gesellschaftlichen Wandel bewirken können. 
Mein liebster Upcycling-Hack: Ausgebautes Fensterglas mit zu geringen Anforderungen für eine klassische Wiederverwendung als Büro-Trennwand einsetzen – so wie es meine Partnerinnen im CRCLR-Haus praktiziert haben. 
Mein Lieblingsgebäude in Berlin: Die Kongresshalle, heute Haus der Kulturen der Welt – die „Schwangere Auster“. 1957 als Symbol demokratischer Offenheit gebaut, heute ein Ort für globale Kultur und Diskurs. Das Haus und sein Außenraum vermitteln Leichtigkeit und monumentale Kraft gleichzeitig und es zeigt, dass gut durchdachte Bauten auch Spielraum für Neuinterpretation und neue Nutzungen zulassen.
 

Stellen wir uns ein altes Kastenfenster aus einem typischen Berliner Altbau vor. Wie könnte die Geschichte unseres Fensters aussehen? 
Die meisten Berliner Altbauten entstanden in der Gründerzeit. Unser Fenster ist also über hundert Jahre alt und bringt trotz seines stolzen Alters beste Voraussetzungen für eine Modernisierung durch Austausch der Scheiben und Dichtungen mit. Uns geht es darum, vorhandene Qualitäten zu erkennen und mit ihnen zu arbeiten, statt sie zu ersetzen. Zirkuläres Bauen heißt für uns: die Geschichte bestehender Materialien, Gebäude und Orte weitererzählen – und daraus gemeinsam neue Bilder für eine positive Zukunft entwickeln, die ökologische und soziale Nachhaltigkeit verbindet.

Wenn Sie eine Chance hätten, ein Gesetz im deutschen Baurecht über Nacht zu ändern – welches wäre das? 
Für gebrauchte Bauteile fehlt eine Ausnahme in der entsprechenden EU-Verordnung zu Bauprodukten: Wiederverwendete Produkte müssten eigentlich dieselben CE-Kennzeichnungs- und Konformitätsnachweise erbringen wie neu hergestellte Ware – ein Verfahren, das für ausgebaute, historisch gewachsene Bauteile praktisch nicht leistbar ist. Das erhöht das Haftungsrisiko für Planende und Bauherrschaft, die deshalb lieber zu neuen, zertifizierten Produkten greifen, selbst wenn ausgebaute Bauteile technisch einwandfrei sind. Am wirksamsten wäre daher eine eigene Ausnahmeregelung für wiederverwendete Bauprodukte – mit praxistauglichen Nachweisverfahren statt der vollen Anforderungen an Neuware.

Machen wir einen Spaziergang durch das Berlin 2040. Was ist das eine, konkrete Detail auf der Straße, das Ihnen zeigt: Wir haben es geschafft? 
Ich gehe durch meinen Kiez und komme am gut sortierten Bauteillager vorbei, wo früher ein Discounter war. Handwerkerinnen erläutern gerade einen Fenster-Prototypen aus einem aufgearbeiteten Kastenfenster mit Naturstein-Fensterbank aus der Wiederverwendung, während zwei Kinder mit ihrem Vater alte gedrechselte Geländerstäbe begutachten. Gerade kommt eine Fuhre sortenreiner Gipskarton aus einem Büro-zu-Wohnen-Umbau an und wird im Großregal für den nächsten Einsatz verstaut. Im vorgelagerten Café sitzt eine Architektin mit einer Handwerkerin und diskutiert, wie sich das Material für ihr nächstes Projekt einsetzen lässt.

LXSY Architektur