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3 FRAGEN AN TOM HANSING

Portrait von Tom Hansing von der
Copyright: Tom Hansing

Tom Hansing ist Soziologe, Autor und seit vielen Jahren ein Motor der Selbermach-Kultur. Bei der anstiftung bringt er Menschen in offenen Werkstätten und Reparatur-Initiativen zusammen, um Dingen ein zweites Leben zu schenken. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was in diesen Orten des Machens und Reparierens passiert, welches Projekt ihn gerade besonders begeistert und was er sich für unsere Stadt wünschen würde.

Name: Tom Hansing
Alter: 49
Wohnort: Berlin
Berufung: Lebenslanger Kindergarten

Meine Superkraft:  Kritischer Optimismus
Mein liebster DIY-Hack: Aufschrauben statt abschreiben
Darauf verzichte ich am liebsten: Im Internet mit Unbekannten über Fake-News streiten.
Das habe ich immer bei mir: Neugier
Darum lebe ich in Berlin: Weil umziehen zu teuer ist ;)
 

Du bringst seit vielen Jahren Menschen in offenen Werkstätten und Reparatur-Initiativen zusammen. Was erlebst du dort?
Offene Werkstätten sind Orte, an denen man nicht nur Dinge baut und repariert, sondern manchmal auch ein Stück weit sich selbst. Da treffen Menschen unterschiedlichen Alters oder Herkunft und mit ganz unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten aufeinander und plötzlich verbindet sie ein Stück Holz, ein Fahrrad oder eine kaputte Kaffeemaschine. Aus der praktischen Zusammenarbeit entsteht dann Gemeinschaft. Gelernt wird ohne Lehrplan und ohne Zeigefinger. Menschen entdecken Talente, entwickeln neue Skills, finden neue Interessen und manchmal eben sogar neue Freundschaften. 

Erzähle uns doch bitte von einem aktuellen Reparatur-Projekt, das dich besonders begeistert.
Mich begeistert gerade der Reparatur-Weltrekordversuch in Nordrhein-Westfalen. Mindestens 4.000 Reparaturen sollen innerhalb eines Monats zusammenkommen. Das eigentlich Spannende ist für mich aber nicht die Zahl, sondern das zu jeder Reparatur auch ihre Geschichte erzählt wird. Wenn wir Dinge reparieren, retten wir oft mehr als Material. Wir erhalten Erinnerungen, Erfahrungen und Beziehungen. Ich finde es großartig, dass dieses Vorhaben genau das auch sichtbar macht. 

Stell dir vor, du hättest einen Wunsch frei für Berlin. Verrätst du ihn uns?
Ich wünsche Berlin, dass das Ungewöhnliche auch mal wieder zwischen den Stühlen wachsen darf. Die großen Konsumtempel z. B. gehen nach und nach ein. Warum nicht aus ehemaligen Kaufhäusern multifunktionale, nicht-kommerzielle Ressourcenzentren machen, mit offenen Werkstätten, Reparaturcafé, Materiallager, unterschiedlichsten Bildungs- und Beratungsangeboten und variabel nutzbaren Gemeinschaftsräumen, Küchen und Gärten? Orte, an denen Menschen werkeln, reparieren, tauschen, teilen, Stadt selbermachen und sich gegenseitig helfen können. Denn wenn immer mehr Strukturen von Kommerz verschluckt werden, brauchen wir umso dringlicher Orte, an denen Menschen selbst etwas auf die Beine stellen können. 

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